Reisebericht von Dr. Oliver Blume und Gunther Au-Balbach

Liebe Freunde und Förderer der Deutschen Cleft Kinderhilfe,

das Schicksal der Spaltkinder in Burundi hat uns keine Ruhe gelassen. Nachdem wir 2016 wegen der bürgerkriegsähnlichen Zustände keinen Operationseinsatz vor Ort durchführen konnten, haben wir in diesem Jahr alles dafür getan, um erstmalig burundische Patienten zur Behandlung nach Uganda zu bringen. Kein leichtes Unterfangen, aber es hat geklappt! Geholfen haben uns dabei u.a. zwei engagierte lokale Sozialarbeiter, die die Patienten auf ihrem langen Weg nach Mbarara begleitet haben, sowie der unbändige Wille der tapferen Mütter, ihren Kindern die notwendige Operation zu ermöglichen.

Wir sind froh, dass alle Eingriffe komplikationslos verlaufen sind, denn es waren schwierige Fälle dabei, wie die erst fünf Monate junge und unterernährte Shadia (Foto rechts oben). Insgesamt 21 Patienten aus Burundi und Uganda konnten wir behandeln und waren aufs Neue überwältigt von der großen Dankbarkeit, die uns entgegengebracht wurde. Über unsere Reise möchten wir Ihnen hier gerne berichten:

Freudestrahlend empfangen uns die ugandischen Kollegen, als wir am 24. Februar in der Universitätsklinik in Mbarara eintreffen. Allen voran Dr. Deus, den wir in den vergangenen Jahren in der Spaltchirurgie ausgebildet haben und der 2016 am chirurgischen Workshop der Deutschen Cleft Kinderhilfe in Indien teilnehmen konnte. Besonders herzlich ist das Wiedersehen mit unserem langjährigen Freund und Begleiter unserer Einsätze, dem Anästhesisten Dr. Emmanuel, den alle „Emma“ nennen. Gemeinsam freuen wir uns, als erstes Team im renovierten und neu ausgestatteten OP-Trakt operieren zu können.

Am 25. Februar kommen die ersten ugandischen Patienten und werden von uns sorgfältig untersucht. Denn wenn ein Kind akut krank ist und Fieber hat, darf es nicht operiert werden. Am nächsten Tag beginnen wir frühmorgens mit den Operationen. Alles verläuft planmäßig und um 22 Uhr fallen wir geschafft aber zufrieden ins Bett.

Als sie am 27. Februar endlich erschöpft in Mbarara ankommen, haben die Patienten aus Burundi eine rund 15-stündige Odyssee mit öffentlichen Bussen hinter sich. Der direkte Weg über Ruanda ist aufgrund der Spannungen zwischen Burundi und Ruanda nicht passierbar, deshalb ging es von Burundi über Tansania nach Masaka im Süden Ugandas und von dort aus nach Mbarara. Gut, dass zwei Sozialarbeiter die Betroffenen begleiteten und ihnen Mut machten.

Zwischen den Müttern mit ihren quirligen Kindern fällt ein großer stiller Mann besonders auf. Der über 70-Jährige hat sich dem Grüppchen angeschlossen, um endlich von seiner Entstellung befreit zu werden. Auch wenn wir überwiegend Kinder und Jugendliche behandeln, wer könnte einem hoffenden Senior, der sein ganzes Leben lang unter seiner Fehlbildung litt, die Operation verwehren?

Die jüngste Patientin aus Burundi ist die kleine Shadia, erst fünf Monate alt und stark unterernährt. Seit ihrer Geburt ist die 17-jährige Mutter Niya auf sich alleine gestellt. Der Vater will nichts von dem entstellten Kind wissen und auch die Großeltern lassen Niya im Stich. Wegen ihrer Fehlbildung kann Shadia nicht richtig trinken, weshalb sie kaum an Gewicht zugelegt hat. Niya hat die lange Fahrt auf sich genommen, ohne zu wissen, ob man ihrer Tochter wirklich helfen würde. Nach Rücksprache mit Anästhesist Emma entscheiden wir gemeinsam, die Kleine zu operieren, denn die Gefahr ist groß, dass Shadia sonst an Unterernährung stirbt. Um die für ein Baby belastende Narkosezeit so kurz wie möglich zu halten, operieren wir zu zweit. So dauert der Eingriff nur eine knappe Stunde und verläuft ohne Komplikationen. Bereits kurz nach der OP legt Niya ihr Töchterchen vorsichtig an die Brust und kann ihr Glück kaum fassen, als die Kleine sofort reflexartig und kraftvoll zu saugen beginnt. Die Freude bei uns allen ist riesig!

Während wir die burundischen Patienten behandeln, kommen jeden Tag weitere Fälle aus Uganda dazu, die wir auch operieren. Die Patienten aus Burundi bleiben insgesamt fünf Tage in der Klinik, bis wir sichergehen können, dass alle wieder stabil genug sind, um sich auf die lange Heimreise zu begeben.

Auch bei diesem Einsatz wurden unsere Kollegen vor Ort weitergebildet. Einen Arzt aus Burundi haben wir in die Grundlagen der Spaltchirurgie eingeführt und unseren ugandischen Kollegen Dr. Deus sogar einer richtigen Prüfung unterzogen, die er sehr gut gemeistert hat. Inzwischen kann er ganzjährig leichtere Fälle eigenständig operieren. Dr. Deus wird im Laufe des Jahres weiter Kinder in der Klinik in Mbarara operieren und in diesem Monat ist ein Einsatz in Tansania! Dies können wir nur mit Ihrer Mithilfe ermöglichen. Bitte unterstützen Sie unsere Spaltkinder in Ostafrika mit Ihrer Spende! Von Herzen Danke.

Ihre

Dr. Dr. Oliver Blume & Gunther Au-Balbach

Shadia vor und nach der OP
Das Team bei der Arbeit
Glückliche Mutter mit ihrem Kind nach der OP
Unser ältester Spaltpatient aus Burundi
Dr. Blume mit kleinem Patienten und seiner Mutter